Fiese Masche: Erpressungsversuch mit Videoaufzeichnung – „Ich bin ein Hacker“

Hacker Symbolbild
(Quelle: Michael Treu auf Pixabay)

Zahlreiche Internet-Nutzer bekommen derzeit eine E-Mail von einem angeblichen Hacker. Dieser erklärt, dass er ein Video aufgezeichnet hat, auf der sich der E-Mail-Empfänger selbst befriedigt. Gefordert wird eine Zahlung von ca. 1.000 Dollar, damit das Video nicht veröffentlicht wird.

Der Schreck sitzt tief, wenn Sie eine E-Mail von einem Unbekannten mit einem ziemlich eindeutigen und gemeinen Erpressungsversuch bekommen. In der Nachricht lesen Sie, dass ein Hacker Ihren Computer mit einem Virus oder Trojaner infiziert hat. Dadurch konnte der Angreifer Ihre gesamte Kommunikation mitschneiden und die vollständige Kontrolle über Ihren Computer übernehmen.

Das alleine macht schon Angst. Doch es kommt noch schlimmer. Angeblich hat der Hacker über die Webcam im Computer heimlich Ihren Raum gefilmt und Sie bei sexuellen Handlungen aufgenommen. Er droht sogar damit, dass er ein bearbeitetes Video von Ihnen veröffentlicht, welches Sie möglicherweise in Situationen zeigt, die nie stattgefunden haben. Dieses Video möchte der Kriminelle an Ihre Freunde, Familienmitglieder oder Kollegen und in sozialen Netzwerken veröffentlichen. Vermeiden können Sie die Veröffentlichung nach der E-Mail nur, indem Sie rund 1,000 Euro über die anonyme Kryptowährung Ethereum oder Bitcoin den Kriminellen überweisen. Jetzt ist guter Rat teuer, denn Sie erreichen den Absender der E-Mail nicht und werden mit Ihrem Schicksal allein gelassen.



So sehen die Erpresser-Mails aus

Nachfolgend zeigen wir Ihnen ein Muster der dubiosen Erpressungs-Nachrichten, nach denen Sie die ETH-Brieftasche des Ganoven füllen oder Bitcoin bezahlen sollen. Falls Sie eine abweichende E-Mail bekommen haben, senden Sie uns diese gerne zur Prüfung an redaktion@dermike.de zu.

05.01.2020 Erpresser versenden eine E-Mail zur Erinnerung

Wenige tage nach der ersten E-Mail versenden die Erpresser eine zweite Nachricht als eine Art Mahnung. Viele Empfänger nehmen diese Drohung sehr ernst und bezahlen aufgrund der zweiten Mail. Lassen Sie sich dadurch nicht beeindrucken. Es handelt sich um Spam. Die Erpresser liefern keinerlei Beweise für ihre Behauptungen. Doch genau diese würden sie liefern, wenn die Kriminellen im Besitz von Bildern oder Videos wären.

03.01.2021 Hallo, du dreckiger perverser… ❤️❤️❤️

Viele Empfänger werden von dieser E-Mail beunruhigt. Alleine der Betreff jagt einigen Nutzern schon einen Schreck ein. Hinzu kommt die Erpressung im Text. Lassen Sie sich nicht einschüchtern.

20.11.2021 E-Mail mit eigener E-Mail-Adresse als Absender 

Lassen Sie sich durch derartige E-Mails nicht einschüchtern. Die sexuelle Erpressung im Internet wird auch als Sextortion bezeichnet. Leider nehmen diese Straftaten zu. Zahlen Sie auf keinen Fall den geforderten Betrag. Sie werden damit zum Opfer und die Kriminellen werden immer mehr Geld von Ihnen fordern. Wer einmal zahlt, der zahlt auch ein zweites und drittes Mal.

Hat der Hacker wirklich Ihre Daten und ein Video von Ihnen?

Diese Frage beschäftigt betroffene Opfer solcher Erpressungsversuche am meisten. Schließlich sind auf jedem Smartphone und erst recht auf dem Computer jede Menge Daten gespeichert. Wenn diese in fremde Hände geraten, wäre das in den meisten Fällen eine Katastrophe. Leider kann heute nicht mehr generell ausgeschlossen werden, dass ein Angreifer nicht tatsächlich persönliche Daten von Ihnen hat. Wir unterscheiden jedoch zwei unterschiedliche Vorgehensweisen:

Einige Nutzer werden erpresst, nachdem sie in sozialen Netzwerken tatsächlich in Kontakt mit einer anderen Person waren. Möglicherweise wurde wirklich ein erotischer Video-Chat geführt. Das nutzen einige Täter aus und zeichnen diesen auf, um ihn dann gegen das Opfer zu verwenden. In diesem Fall liegen dem Absender wirklich Daten zu Ihrer Person und ein Video vor.

Bei der zweiten Variante versendet der Kriminelle wahllos E-Mails an beliebige Adressen. So kommt die Nachricht möglicherweise auch zu Ihnen. Die in der E-Mail genannten persönlichen Daten stammen häufig aus Datendiebstählen. Hier liegen dem Täter in der Regel keine weiteren Daten vor und es gab auch keinen tatsächlichen Angriff. Die Behauptungen sollen Ihnen nur Angst machen. Immer häufiger bekommen diese E-Mails auch Nutzer, die gar keine Webcam besitzen, sodass auch kein Video vorliegen kann.

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Müssen Sie Angst vor einer Veröffentlichung haben?

Bei der oben dargestellten E-Mail handelt es sich nach unseren Erfahrungen um eine Fake-Mail. Das bedeutet, der Absender möchte Ihnen Angst machen und Sie damit zur Zahlung bewegen. Das genannte Beweismaterial liegt dem Täter nach bisherigen Erkenntnissen nicht vor. Die Nachrichten werden seit Jahren versendet. Uns ist kein einziger Fall bekannt, bei dem es tatsächlich zu einer Veröffentlichung kam.

Das Bundeskriminalamt hat sich bereits im Jahre 2018 zu diesen E-Mails geäußert:

❗ACHTUNG❗
Aktuell beobachtet die deutsche Polizei eine neue Welle von Erpressungsmails:
➡️Bereits Ende Juli haben wir auf Erpressungsmails hingewiesen, in welchen gedroht wird, Masturbations-Aufnahmen des Opfers zu veröffentlichen.
➡️Die Täter verlangen die Zahlung unterschiedlicher Summen in Form einer Kryptowährung.
➡️Die Täter geben oftmals vor, ein Passwort des Opfers zu kennen. Dieses kann tatsächlich durch das Opfer verwendet worden sein und wurde wahrscheinlich aus Leaks erlangt.
➡️Manche E-Mails erwecken den Eindruck, vom Account des Opfers zu stammen.
➡️Uns sind E-Mails sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch bekannt.
Es wurde bisher in keinem der gemeldeten Fälle eine tatsächliche Kompromittierung beziehungsweise illegale Kameraüberwachung des genutzten Computersystems festgestellt.
Die Polizei empfiehlt, den geforderten Betrag NICHT zu zahlen!

Was sollten Sie tun?

Da es sich bei einer Erpressung oder einem Erpressungsversuch um eine Straftat handelt, sollten Sie auf jeden Fall eine Strafanzeige bei der Polizei erstatten. Das geht auch online, sodass Sie den persönlichen Kontakt meiden können. Geraten Sie auf keinen Fall in Panik und zahlen Sie kein Geld.

Vorbeugend können Sie sich mit einigen Maßnahmen vor Hackern schützen. Die folgenden Tipps der Polizei sollten Sie beherzigen:

  • Machen Sie sich stets bewusst, dass Sie während eines Videochats gefilmt werden könnten. Diese Filminhalte könnten ggf. dazu verwendet werden, Sie zu erpressen.
  • Deaktivieren Sie Ihre Webcam immer, wenn Sie nicht gerade via Videochat mit jemandem
    sprechen. Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, verdecken Sie Ihre Webcam.
  • Halten Sie das Betriebssystem, den Browser und den Virenschutz Ihrer elektronischen Geräte immer auf dem aktuellsten Stand, um sich vor Malware zu schützen.

Außerdem raten wir dazu, dass Sie in sozialen Netzwerken Ihre Privatsphäre schützen. Nicht selten sind soziale Medien der Ausgangspunkt von Erpressungen. Wenn Sie Ihre privaten Bilder auf Facebook und Instagram zur Verfügung stellen, haben Kriminelle ein leichtes Spiel.



Haben Sie Fragen?

Häufig möchten Betroffene aus verschiedenen Gründen nicht mit Familienangehörigen oder dem Partner sprechen. Da es sich in der Regel um Spam handelt, können Sie ruhig das Gespräch suchen. Alternativ können Sie uns die E-Mail zusenden. Unsere Redaktion hat schon Hunderte solcher Erpressungsversuche gesehen. Wir können eine erste Einschätzung geben, wie ernst die Nachricht zu nehmen ist.

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2 Kommentare

  1. Auf die erste Mail folgt nach etwa einem Tag dann eine schärfer formulierte Mail, quasi als Zahlungserinnerung. Selbst so erlebt und in anderen Foren gelesen. Glaube, dass dann der eine oder andere User einknickt und zahlt und sich damit erst recht zur Melkkuh macht.

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