Jobangebot als Tester im Homeoffice: Betrug mit Video-Ident-Verfahren

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(Quelle: pixabay.com/FirmBee)

Sie suchen einen neuen Job oder durchforsten die Stellenangebote nach einem Nebenjob? Dann könnten Sie auf einige betrügerische Anzeigen stoßen. Kriminelle versuchen über Bewerbungen an persönliche Daten zu gelangen und missbrauchen Apps und das Video-Ident-Verfahren, um Konten zu eröffnen.

In Kleinanzeigen- und Stellenportalen tauchen immer wieder Stellenangebote mit teils lukrativen Nebenjobs auf. Diese haben gemeinsam, dass Sie scheinbar von zu Hause arbeiten können. Zudem wird oft ein sehr großzügiger Lohn angeboten, der in der aktuellen Lage von anderen Arbeitgebern kaum überboten wird. Gesucht werden oft App-Tester, Treuhänder oder Online-Tester. Was in der Anzeige nicht steht: In den meisten Fällen geht es um eine Art der Geldwäsche. Doch davon bekommen die Bewerber erst etwas mit, wenn es zu spät ist.

Eingefangen werden Sie über professionell gestaltete Webseiten, die teils denen bekannter Marken ähneln. Die Interessenten für die Jobs bekommen den Eindruck, dass es sich um ein seriöses und großes Unternehmen handelt. Die Bewerbung und das gesamte Einstellungsverfahren finden online und per WhatsApp statt. Nur selten kommt es zu Telefonaten. Persönliche Begegnungen gibt es gar nicht. In Zeiten von Corona macht das viele Bewerber nicht stutzig. Ein fataler Fehler, denn bei diesen Jobangeboten haben Sie es mit Kriminellen zu tun.


Hätten Sie das gewusst?
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Woran erkennen Sie die Fake-Jobs und unseriösen Unternehmen?

Den Betrug können Sie an einigen Merkmalen erkennen. Doch dazu müssen Sie sich sehr intensiv mit dem jeweiligen Unternehmen auseinandersetzen. Fakt ist, dass die Kriminellen an Ihre persönlichen Daten wollen und Sie am Ende unter verschiedenen Vorwänden zur Eröffnung eines Kontos bewegen möchten. Die Bankverbindungen oder Onlinekonten werden im Anschluss für Straftaten benutzt. An diesen Punkten können Sie den Job-Schwindel erkennen:

  • Webseite: Schauen Sie sich die Internetseite genauer an. Häufig handelt es sich um rudimentäre Seiten, die nur einen guten Eindruck machen sollen. Das ausführlichste sind die Jobangebote. Ansonsten sind wenig Inhalte hinterlegt.
  • Impressum: Prüfen Sie vor einer Bewerbung auf Stellen als App-Tester, Online-Tester oder Marktforscher auf jeden Fall das Impressum. Häufig erkennen Sie, dass entweder Daten existierender Unternehmen missbraucht werden oder die Daten im Impressum frei erfunden sind.
  • Telefonnummer: Ist die Firma überhaupt telefonisch erreichbar? Ist nur eine Handynummer angegeben? Werden Sie misstrauisch, wenn Sie von dem Unternehmen nur eine Handynummer haben oder die Firma gar nicht telefonisch erreichbar ist. In diesem Fall sollten Sie von einer Bewerbung lieber Abstand nehmen. Ist die Firma erreichbar, dann sollten Sie auch mit dem Unternehmen telefonieren und Fragen stellen.
  • WhatsApp: Läuft die gesamte Kommunikation über WhatsApp? Das ist ein typisches Zeichen betrügerischer Unternehmen. Seriöse Firmen würden wahrscheinlich eher das persönliche Gespräch mit Ihnen suchen.
  • Persönliche Daten: Achten Sie auf Ihre vertraulichen Daten. Führen Sie niemals Testaufträge aus, bei denen Sie sich per Video-Ident authentifizieren müssen. Die Betrüger sind sehr kreativ. Fallen Sie darauf nicht herein. Sobald Sie sich per Video-Ident authentifizieren müssen, sollten Sie den Kontakt abbrechen.
  • Zusage: Wenn Sie sehr schnell eine Zusage bekommen, ohne dass das Unternehmen Fragen hat, ist das meist kein Grund zur Freude. Meistens stimmt dann etwas nicht. Seien Sie sehr vorsichtig und misstrauisch.
  • Ausweiskopie: Betrügerische Firmen möchten von Ihnen relativ schnell eine Ausweiskopie. Versenden Sie niemals Kopien Ihres Ausweises oder Reisepasses, ohne die Person gegenüber persönlich zu kennen.

Welches Risiko besteht bei dieser Betrugsmasche?

Wir schätzen die Betrugsmasche als außerordentlich gefährlich ein. Das Ziel der Kriminellen ist es, dass Sie persönliche Daten übermitteln. Das machen Sie gleich zu Beginn mit Ihrer Bewerbung. Anschließend werden häufig weitere Daten erfragt. Letztlich sollen Sie Apps testen und bei Ihrem Test beginnen Sie mit einer Video-Ident-App.

Die Betrüger nutzen Ihre übermittelten Daten, um auf Ihren Namen ein Bankkonto zu eröffnen. Mit dem vermeintlichen Test des Video-Ident-Verfahrens bestätigen Sie die Kontoeröffnung. Schon kurze Zeit nach der Kontoeröffnung wird die Bankverbindung für Straftaten genutzt. Das Problem: Sie selbst haben keinen Zugriff auf das Konto. Die Kriminellen vereinnahmen Geld und buchen dieses selbständig wieder ab.  Der daraus resultierende Schaden fällt auf Sie als Kontoinhaber zurück. Im schlimmsten Fall müssen Sie für den entstandenen Schaden aufkommen, der schnell im fünfstelligen Bereich liegen kann.

Das müssen Sie als Opfer tun

Falls Sie auf ein betrügerisches Stellenangebot hereingefallen sind, sollten Sie schnellstmöglich handeln. Es zählt jede Minute. Informieren Sie in jedem Fall zuerst die Bank, für die Sie das Video-Ident-Verfahren durchgeführt haben. Lassen Sie das Konto sperren und teilen Sie mit, dass Sie kein Konto eröffnet haben. Anschließend sollten Sie bei der Polizei eine Strafanzeige erstatten und der Bank das Aktenzeichen nachreichen. Möglicherweise können Sie das Bankkonto auch über den zentralen Sperrnotruf sperren.

Eine Strafanzeige sollten Sie auch dann erstatten, wenn Sie nur persönliche Daten und Ausweiskopien übermittelt, aber das Video-Ident-Verfahren noch nicht durchgeführt haben. Die übermittelten Daten können ebenfalls für die Begehung von Straftaten in Ihrem Namen verwendet werden.

Haben Sie Fragen zu dieser Betrugsmasche?

Gerne beantworten wir Ihre Fragen, die Sie über die Kommentare unterhalb des Artikels stellen können. Alternativ können Sie uns auch ein E-Mail mit Ihrer Frage senden.

Welche Firmen sind uns bisher bekannt?

Die nachfolgenden Firmen schreiben entsprechende Stellenangebote aus, welche dem Muster dieser Betrugsmasche entsprechen. Wir raten deshalb von einer Kontaktaufnahme und einer Bewerbung ab. Falls Sie auf ein anderes Unternehmen gestoßen sind, senden Sie uns eine E-Mail mit dem Link zum Unternehmen an redaktion@dermike.de. Wir freuen uns, wenn Sie uns weitere Informationen geben, beispielsweise wo die Stelle ausgeschrieben war und ob Sie bereits Kontakt aufgenommen haben.

27.06.2021: MYTE Ltd. oder Myte 360 sucht Tester im Nebenjob

Diese Firma bietet über das Kleinanzeigenportal ebay-kleinanzeigen.de an zahlreichen Standorten Nebenjobs an, die Sie angeblich vom Samrtphone aus erledigen können. 25 Euro sollen Sie pro Auftrag bekommen, was möglicherweise sogar ausgezahlt wird. Allerdings handelt es sich dabei vermutlich nicht um Produkttests. Vielmehr werden Konten auf den Namen des Nebenjobers eröffnet, die dann möglicherweise für Straftaten missbraucht werden.

Problematisch ist vor allem, dass es die im Impressum auf ebay-kleinanzeigen.de genannte Firma mit dem Namen Myte Ltd. gar nicht gibt. Demnach können Sie hier auch keine Forderungen geltend machen. Stutzig sollte Sie auch machen, dass die Firma nur per WhatsApp erreichbar ist.

12.01.2020: individuality-province.de sucht App-Tester in Heimarbeit auf 450 Euro Basis

Das verwendete Design ist im Zusammenhang mit der Betrugsmasche bereits bekannt. Wie bei dieser Betrugsmasche üblich, werden Mitarbeiter als App-Tester in Heimarbeit auf 450 Euro Basis gesucht. Gefordert wird, dass Sie neben der Bewerbung auch Ausweispapiere hochladen und später ein VideoIdent-Verfahren als Testauftrag absolvieren. Zudem kommen folgende Merkmale von Fake-Unternehmen hinzu:

  • Die im Impressum genannte Individuality-Province AG existiert im amtlichen Unternehmensverzeichnis nicht.
  • Das Impressum entspricht nicht den deutschen Rechtsnormen. Es fehlen wichtige Angaben.
  • Der Server der Webseite steht in den USA, was für ein deutsches Unternehmen eher unüblich ist.
clever-test.de sucht App-Tester auf 450 Euro Basis

Das verwendete Design ist im Zusammenhang mit der Betrugsmasche bereits bekannt. Zudem kommen folgende Merkmale von Fake-Unternehmen hinzu:

  • Die im Impressum genannte Clever test 212 GmbH existiert im amtlichen Unternehmensverzeichnis nicht.
  • Das Impressum entspricht nicht den deutschen Rechtsnormen. Es fehlen wichtige Angaben.
  • Der Server der Webseite steht in den USA, was für ein deutsches Unternehmen eher unüblich ist.
marktcheck.me sucht Marktforscher/in

Bereits im Rahmen der ersten Kontaktaufnahme (Bewerbung) sollen Sie eine vollständige Kopie des Personalausweises (Vorder- und Rückseite) hochladen. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass Sie sich hier nicht bewerben sollen. Was außerdem auf Betrug hindeutet:

  • Die im Impressum genannte Firma existiert im amtlichen Unternehmensverzeichnis nicht.
  • Das Impressum entspricht nicht den deutschen Rechtsnormen.
  • Der Server der Webseite steht in den USA, was für ein deutsches Unternehmen eher unüblich ist.
  • Die Domain wurde auf eine Person in Russland registriert.
marktix.net sucht Process-Testing im Homeoffice

Auch die Webseite der Firma Marktix entspricht der Betrugsmasche. So gibt es unstimmige Angaben und ein fehlerhaftes Impressum. Außerdem ist die Firma nur per Handynummer/WhatsApp (015733535817) erreichbar.

  • Die im Impressum genannte Firma existiert im amtlichen Unternehmensverzeichnis nicht.
  • Das Impressum entspricht nicht den deutschen Rechtsnormen.
  • Der Server der Webseite steht in den USA, was für ein deutsches Unternehmen eher unüblich ist.
  • Die Domain wurde über einen Anonymisierungsdienst registriert. Der tatsächliche Inhaber möchte demnach namentlich nicht in Erscheinung treten.

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4 Kommentare

  1. Hallo,
    Tatsächlich bin ich auf so einen Betrug reingefallen. Ich könnt mich dafür Ohrfeigen. Wirklich, ich weiß gar nicht was in mich gefahren ist.
    Ich hab noch kein solches Videoidentverfahren gemacht. War auch gleich bei der Polizei, die haben das aber als lapidar abgestempelt.
    Keine Anzeige aufgenommen.
    Ich sollte einfach in Widerspruch gehen hieß es.
    Hab ich getan. Antwort war das die Daten sicher vom System gelöscht wurden.
    Ich hab so angst das mein Leben nun völlig ruiniert ist.
    Was soll ich denn jetzt nur machen?

  2. Mir ist das tatsächlich auch passiert heute und habe die Bank schon Kontaktiert und mit den gesprochen das wird alles gesperrt aber die Polizei hat nichts gemacht was kann ich tun ?

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